Frau Baerbocks Buch wirkt schon im Titel wie Bullshit-Bingo politischer Phrasen: »Jetzt – Wie wir unser Land erneuern«. Willige Journalisten zitieren sie mit müden Null-Sätzen »Das Anpackende steckt in mir drin« – taz.de, 17.6.2021 jubelt weiter:

»Anpacken, mal einen Nagel reinhauen, ihn gegebenenfalls korrigieren, wenn er schief ist. Es ist ein Bild, das sich auf ihre politischen Ambitionen übertragen lässt. Annalena Baerbock will ein ganzes Land renovieren.«

Das Buch sei »getragen von einem feministischen Blick«, so lobhudelt Jasmin Kalarickal. Okay, na dann.

Unter normalen Umständen hätte außer ein paar Claqueuren in den Redaktionen niemand so ein Buch gelesen – wer durchwatet freiwillig diese Phrasen-Friedhöfe von Politikern, diese Direkt-ins-Altpapier-Schinken? – Jedoch, dies sind nicht normale Umstände.


Ein »Plagiatsjäger« hat das Buch (vermutlich mit Hilfe von Software, die man bei den Grünen nicht einmal kennt) mit, ja, »dem Internet« abgeglichen. Das Ergebnis ist, dass mehrere Passagen aus dem Internet kopiert und dünn umformuliert zu sein scheinen (plagiatsgutachten.com, 29.6.2021).


Ein Beispiel: Aus der Formulierung »Das Konzept des Klimawandels als ›Bedrohungsmultiplikator‹, der Rohstoff- und Gesellschaftskonflikte in Entwicklungsländern verschärfen kann, ist seither zu einem Eckpfeiler in der Strategie des Pentagons geworden« (von Michael T. Klare) wird in Baerbocks Buch: »Die Betrachtung des Klimawandels als ›Bedrohungsmultiplikator‹, der Rohstoff- und Gesellschaftskonflikte verschärfen kann, ist seither zu einem Eckpfeiler in der Strategie des Pentagon geworden« (via bild.de, 29.6.2021).


Es bilde sich jeder seine eigene Meinung.

Die Grünen reden von Rufmord und haben zur Verteidigung den prominenten Prominenten-Anwalt Christian Schertz aktiviert (focus.de, 29.6.2021). Beim Staatsfunk scheinen sich selbst nicht wenige »Journalisten« extra »aktiviert« zu fühlen. »Rechtsexperte« Felix W. Zimmermann twittert sich in Rage (@fewizi, 29.6.2021: »#Plagiatsvorwürfe gegen Annalena #Baerbock. Was ist dran? Spoiler: NICHTS, da bloße Übernahme von Sachinformation, wörtlicher Rede und zudem kein Zitiergebot in Populärliteratur: […]«).

Es klingt dann insgesamt wie ein Versuch des »Reframing«. Man scheint dem Vorwurf des Plagiats damit begegnen zu wollen, zu versichern, es sei kein Plagiat, da es nicht illegal sei.

Die Strategie der Baerbock-Armee in der Grünen-Parteizentrale sowie beim Staatsfunk erinnert an die Cartoon-Figur Bart Simpson: »Ich habe nichts getan und du kannst nichts beweisen.«